Ein gezieltes, umfassendes und konsequentes Selbstmanagement ist entscheidend, damit Mitarbeitende in Unternehmen insbesondere auch langfristig leistungsfähig, motiviert und gesund bleiben.
Von Prof. Dr. Anita Graf
Selbstmanagement am Arbeitsplatz: Bedeutung
Selbstmanagement ist ein Thema, mit dem heute die meisten Mitarbeitenden in den Unternehmenden konfrontiert sind; je nach Arbeitssituation und Lebensphase können damit grosse Herausforderungen einhergehen.
Die Bedeutung eines gezielten und umfassenden Selbstmanagements hat in den letzten Jahren infolge vielfältiger wirtschaftlicher, technologischer und soziokultureller Entwicklungen an Relevanz gewonnen. Entwicklungen, die mit steigenden Anforderungen an Mitarbeitende einhergehen, zeigen sich auf drei Ebenen:
Unternehmensumwelt: Globalisierung und Internationalisierung (Dynamik des Wandels, zunehmende Vernetzung, globaler Konkurrenz- und Preisdruck), technologische Entwicklungen (neue Kommunikationstechniken, zunehmende Fülle an Informationen, höhere Halbwertszeit des Wissens), konjunkturelle Entwicklungen (Verlust der Arbeitsplatzsicherheit), Veränderung von Berufsfeldern und der Bildungslandschaft.
Innerhalb des Unternehmens: kontinuierliche Rationalisierungs- und Reorganisationsmassnahmen, internationale Zusammensetzung der Belegschaft, konsequente Umsetzung des Leistungsprimats, Reduktion der Arbeitsplatzsicherheit, Forderung nach Selbstverantwortung der Mitarbeitenden etc.
Individuelle Ebene: Trend zu höherer Bildung und späterer Familiengründung, Wertewandel (Veränderung der Bedeutung von Karriere und Arbeit, Wunsch nach Work Life Balance, Wunsch nach Teilzeitarbeit), Veränderung des beruflichen Arbeitsportfolios (z. B. mehrere Berufe oder Tätigkeiten parallel), höhere Bereitschaft zu Berufs- und Arbeitsplatzwechsel etc.
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Die zunehmende Bedeutung von Selbstmanagement zeigt sich auch an der wachsenden Anzahl an Publikationen und Ausbildungsangeboten, die sich dem Thema widmen. Die Bandbreite der Publikationen reicht von wissenschaftlichen Beiträgen in psychologischen Zeitschriften (vorwiegend im Bereich der Personalpsychologie und der Arbeits- und Organisationspsychologie), medizinischen Empfehlungen für ein verbessertes Selbstmanagement bei chronischen Krankheiten (z. B. bei Diabetes) bis hin zu einer enormen Anzahl an Selbstmanagement-Ratgebern.
Es ist davon auszugehen, dass das Thema Selbstmanagement aufgrund der erwähnten Entwicklungen weiter an Bedeutung gewinnt und die Förderung der Selbstmanagement-Kompetenz in den nächsten Jahren eine der wesentlichsten Aufgaben eines modernen Human Resource Managements sein wird. Selbstmanagement wird immer mehr zu einer Kernkompetenz von Mitarbeitenden in Unternehmen.
Modell der Selbstmanagement-Kompetenz
Basierend auf den Erkenntnissen verschiedener Selbstmanagement-Ansätze wurde von Graf (2006) ein Modell entwickelt, in dem die zentralen Bausteine der Selbstmanagement-Kompetenz aufgeführt sind. Das Modell versucht, wesentliche Elemente und Fähigkeiten, die zur Selbstmanagement-Kompetenz gehören, möglichst umfassend zu integrieren. Das Modell verfolgt somit einen ganzheitlichen und integrativen Ansatz. Insgesamt werden acht verschiedene Bausteine unterschieden. Pro Baustein werden effektive und letztlich auch geforderte Verhaltensweisen aufgezeigt, die zur Selbstmanagement-Kompetenz gehören.
Das Modell der Selbstmanagement-Kompetenz beschreibt somit ein idealtypisches Portfolio an effektiven Verhaltensweisen. Wichtig ist zu beachten, dass die Entwicklung der Selbstmanagement-Kompetenz ein lebenslanger Entwicklungsprozess ist. Es kann auch nicht gefordert werden, dass Menschen alle aufgeführten Verhaltensweisen jederzeit vollumfänglich zeigen. Je nach Lebensphase und -situation können einige Bausteine mit grossen Herausforderungen verbunden sein. Das Modell dient als Orientierungsrahmen für die Steuerung der Entwicklung und Erweiterung der Selbstmanagement-Kompetenz. Es kann zur Standortbestimmung genutzt werden und zeigt wesentliche Ansatzpunkte für notwendige und sinnvolle Entwicklungsschritte und -massnahmen auf. Es soll Menschen unterstützen, sich besser kennenzulernen und den Mut aufzubringen, notwendige Entscheidungen zu treffen. Seitens Unternehmen können verschiedene Massnahmen angeboten werden, welche die Entwicklung der Selbstmanagement-Kompetenz nachhaltig unterstützen.
Eine wesentliche Voraussetzung für ein effektives Selbstmanagement ist Selbsterkenntnis - die eigenen Stärken und Potenziale, Werte, Bedürfnisse und Grenzen zu kennen. Auf dieser Basis gilt es, berufliche und persönliche Ziele zu definieren und diese mit Selbstdisziplin und Beharrlichkeit zu verfolgen. Hilfreich ist die Fähigkeit, sich selbst motivieren und für etwas begeistern zu können. Selbstmanagement hat weiter mit Selbstverantwortung und Selbstentwicklung zu tun: Menschen übernehmen Verantwortung für sich und ihr (Arbeits-) Leben, lenken als Dirigent oder Dirigentin die verschiedenen Rollen und Lebensbereiche möglichst ganzheitlich und sinnvoll und haben auch die Bereitschaft, sich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Ganz praktisch gesehen, sind für Selbstmanagement die Fähigkeiten gefordert, Zeit und Arbeitsabläufe gezielt selbst zu gestalten, effizient mit Ressourcen umzugehen und Belastungen zu managen. Vorhandene Kräfte und Energien müssen möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden. Hierzu gehört auch, das persönliche Beziehungsnetz zu pflegen.
Nachfolgend sind die verschiedenen Bausteine im Überblick aufgeführt. Die Nummern dienen als Orientierungshilfe. Das Modell darf nicht als linearer Prozess verstanden werden, der von einer Person Phase für Phase durchlaufen wird.
Einzelne Bausteine beinhalten zwei Begriffe resp. Themenbereiche. Diese Bereiche könnten grundsätzlich auch einzeln als Baustein betrachtet werden; da sie jedoch sehr eng miteinander zusammenhängen und in der Literatur oft zusammen bearbeitet werden, wurden sie hier in einen Baustein integriert. Dies sind: Zeit- und Ressourcenmanagement, Gesundheits- und Stressmanagement sowie Selbstmotivation und Selbstdisziplin.
Dieser Artikel stammt aus unserem Experten Online Modul Strategisches HRM. Wenn Sie erfahren möchten, was der Begriff des Selbstmanagements genau bedeutet, welche verschiedenen Selbstmanagement Ansätze es gibt, welches die acht Bausteine der Selbstmanagement-Kompetenz im Detail sind und welche Verhaltensindikatoren bei diesen Bausteinen gelten und wie Sie Ihre Selbstmanagement Kompetenz entwickeln können, dann loggen Sie sich jetzt auf www.weka-personal.ch ein, öffnen Sie Ihr Modul «Strategisches HRM» und geben Sie in das Suchfeld den folgenden Index ein: 2296871.
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